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FLORENT MAUDOUX – Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1

Die Comicreihe “Freaks’ Squeele: Totenfeier” ist echt etwas freaky und schon die Genreeinordnung fällt schwer. Prinzipiell ist es eine Fantasy-Geschichte, aber mit einigen echt merkwürdigen Einflüssen. Auch das Design der Welt ist ein buntes Misch-Masch, das viel entlehnt, aber auch eigene Ideen mit einbringt. Fangen wir einfach mal der Reihe nach an, denn “Freaks’ Squeele: Totenfeier” in wenigen Sätzen zu erklären ist einfach unmöglich.

Handlung (mild Spoiler)

Der Krieger Spartakus aus dem Hause der Fledermaus (jep, deswegen sieht der Mann in seiner Rüstung auch aus wie Batman ^^) schafft es trotz einer Abstammung aus unterem Hause bis ganz nach oben und heiratet die Adelige Luciana aus dem Haus der Spinne. Diesen rasanten Aufstieg hat er vor allem seinem Mut, seinem Kampfgeschick und seinem militärischen Sachverstand zu verdanken und so wurde er zum Helden des Reiches Rem. Die Liaison der beiden Häuser rückte das Paar Luciana und Spartakus in das Zentrum des Imperiums Rem und natürlich folgten auch schnell diverse Neider. Doch ohne die gesponnenen Intrigen von Lucianas Unterstützerin Psamathea aus dem Haus der Gottesanbeterin wäre dies alles nicht möglich gewesen.

Luciana gebar einige Monate später Zwillinge und wie es die Tradition in dieser Welt so vorschreibt, so ist der zweite Zwilling stets missgestaltet (hierzu später mehr, es handelt sich nämlich um eine der merkwürdigen Naturgegebenheiten in der Welt von “Freaks’ Squeele: Totenfeier”), doch sie gebar zwei makellose und gesunde Kinder. Da eine Prophezeiung aber den Untergang der Republik Rem vorhersagt, wenn zwei makellose Kinder bei einer Geburt auf die Welt kommen, will Psamathea das zweitgeborene Kind töten und wirft das Baby Schweinen zum Fraß vor. Ein mysteriöser Mann rettet das Kind, kann aber nicht verhindern, dass ihm ein Arm und ein Teil seines Gesichts weggefressen werden. Der Mann entpuppt sich als der Chirurg Raph, der an der Geburt teilgenommen hat und somit um die Identität des geretteten Kindes weiß.

Einige Jahre später sind beide Jungen zu Kindern herangewachsen: Scipio in der Obhut von Mutter und Vater wird zu einem Herrscher erzogen und Pretorius lernt von seinem Ziehvater Raph mit diversen biotechnologischen und anatomischen Instrumenten umzugehen. Raph ist es auch, der Pretorius einen neuen Arm annäht (die biotechnologischen Fähigkeiten sind in der Welt von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” recht weit vorgeschritten). Scipio und Pretorius begegnen sich, freunden sich an und werden richtig unzertrennlich. Doch keiner der beiden weiß, dass sie eigentlich Brüder sind und auch von der schrecklichen Prophezeiung ahnen die beiden aufgeweckten Kinder nichts…

Ein ernster Prolog zu einer lustigen Reihe?!?

“Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ entführt uns in eine ernste Fantasywelt, wobei die Geschichte neben Action, Freundschaft und Intrigen auch eine gewisse Portion an Dramatik mit sich bringt. Nur kann ich noch nicht nachvollziehen wie sich “Freaks’ Squeele: Totenfeier”, das sich als Prolog der Comicreihe “Freaks’ Squeele” versteht, welche in Richtung Comedy geht, mit der anderen Reihe vereinen soll. “Freaks’ Squeele: Totenfeier” erzählt anscheinend die Vorgeschichte zu Pretorius, genannt Totenfeier, der in “Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ eine der jungen Hauptfiguren ist. In “Freaks’ Squeele” arbeitet dieser aber wohl als Professor an einer Schule für Monsterhelden.

“Freaks’ Squeele: Totenfeier” lässt bei mir momentan noch viele Fragen offen, und dabei rede ich nicht nur von den offenen Storyfragen, die absolut verständlich sind, da es sich um eine mehrbändige Reihe handelt. Nein, eher frage ich mich wie komplex “Freaks’ Squeele: Totenfeier” noch wird, da hier sehr vieles angedeutet wird, aber man sich nicht sicher sein kann, in wie weit diese Themen noch einfließen werden. Allein die reichhaltig ausgestaltete Karte mit den unterschiedlichen Ländern und deren Herrschern lässt viel Raum für Ausgestaltung.

Ich hoffe sehr, dass die Welt von “Freaks’ Squeele: Totenfeier”, von der wir möglicherweise erst den Anfang gesehen haben, noch viel weiter ausgestaltet wird und auch noch diverse andere Figuren und Parteien involviert werden. Wir sehen uns also in weiteren Rezensionen zu “Freaks’ Squeele: Totenfeier” und “Freaks’ Squeele” und gehen diesen Punkten noch weiter auf den Grund. Warum man aber einen ersten Prolog zu einer Comedy-Action-Reihe entwickelt, ist mir bisher noch ein Rätsel.

Imperium Romanum ad absurdum

“Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ handelt fast ausschließlich in der Hauptstadt der Republik Rem, die der Stadt Rom ähnelt. Aber nicht nur die Stadt selbst, sondern die ganze Welt von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” baut unzählige Elemente aus der Geschichte und der Sagenwelt des Römischen Imperiums ein. So wird z.B. in “Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ von einem “Markus Sieg” gesprochen, welcher in unserer Welt eigentlich “Pyrrhus Sieg” heißt und vom Sieg des spartanischen Königs Pyrrhus gegen die römischen Legionen kündet. So soll König Pyrrhus nach der äußerst verlustreichen Schlacht auf Seiten der Spartaner gesagt haben: “Noch so ein Sieg und ich bin verloren”. Seitdem spricht man bei einem Sieg, der unter sehr hohen Verlusten erzwungen wurde, von einem “Pyrrhus Sieg”.
Eine andere Anekdote aus “Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ widmet sich dem mythologischen Ursprung der Stadt Rom mit den Kindern des Mars, genannt Romulus und Remus, welche von einer Wölfin gesäugt und großgezogen wurden. In “Freaks’ Squeele: Totenfeier” werden die beiden Kinder von einer Spinne großgezogen. Wahrlich ein Bild für die Götter. ^^ Neben diversen Einflüssen der römischen Zivilisation finden sich auch noch kleinere Anlehnungen an die keltische und die nordisch-germanische Sagenwelt in “Freaks’ Squeele Band 1 Totenfeier Band 1″.

Missgestaltetes Geburtensystem

Eine Besonderheit der Welt von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” stellt die Art der Geburten bei den Menschen dar und wie sich diese auf das Gesellschaftssystem auswirkt. Es ist durchaus hilfreich zu wissen, wie das in “Freaks’ Squeele: Totenfeier” vonstatten geht, also macht euch wegen Spoilern keine Sorgen, das hier dient nur zu eurem Verständnis der Reihe. Bei jeder Schwangerschaft entstehen bei “Freaks’ Squeele: Totenfeier” zwei Kinder, die im Bauch der Mutter kämpfen. Dabei ist ein Kind unterlegen und trägt Verstümmelungen davon. Das andere Kind ist makellos oder leicht verstümmelt. Daraus ergibt sich ein Gesellschaftssystem, das neben der Einteilung von Reich und Arm und Geburtsrecht durch Titel (also Adel usw.) auch noch durch körperliche Unversehrtheit und Versehrtheit separiert. So sind die missgestalteten Kinder ausgegrenzt und können nur niederste Tätigkeiten ausüben. Oft werden die Missgestalteten auch noch grausamen Veränderungen unterzogen, so sind z.B. die Zyklopen mit Kopfkameras anstatt einem Gesicht ausgestattet und dienen als Reporter, Paparazzi und Spitzel für den Staat.

Was hier nichts damit zu tun hat, ich aber dennoch in dieser Rezension hervorheben will, weil ich es eine sehr gute Idee finde, ist das Unterlegen des Textes von Sprechblasen einer zweigesichtigen Frau mit einer Art Schatten der einzelnen Wörter. So entsteht der Eindruck, dass die Frau, die mit zwei Mündern gleichzeitig das Gleiche sagt, auch in Textform “doppelt spricht”. Sehr coole Idee!

Zeichnungen

Für die komplette Gestaltung von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” ist Florent Maudoux verantwortlich, der nicht nur für das Konzept und den Text, sondern auch die Zeichnungen von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” erschuf.

“Freaks’ Squeele Band 1 Totenfeier Band 1″ präsentiert sich sehr detailreich und mit starkem Fokus auf die Tuschearbeit, was ich persönlich sehr mag. Die Coloration ist eintönig, was aber auch gewollt ist und gut funktioniert. So werden ganze Seiten oder zusammengehörende Teile von Seiten in der gleichen Farbe bemalt, jedoch unterschiedlich je nach Figuren und Hintergründen in der Intensität und Stärke der Farbe. Das klingt zwar sehr merkwürdig wenn ich das beschreibe, aber seid versichert, dass man sich an dieser Technik nicht im Geringsten stört. Schaut euch am besten dazu mal eine Lesevorschau an, wie sie der Splitter Verlag auf seiner Homepage anbietet. Was das Charakterdesign betrifft, so schafft es Florent Maudoux optisch, richtig neue Charaktere zu kreieren. Ingesamt zeigt sich ein sehr gelungenes Bild!

Der Comic

“Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ wird wie alle Veröffentlichungen des Splitter Verlags in bestmöglicher Qualität veröffentlicht. So wurde bei der Herstellung des Comics eine sehr gute Druckqualität auf stabilen Papierseiten ermöglicht. Ein Hardcover versiegelt die 80 Seiten und schützt diese. Auf den Innenseiten befinden sich noch Karten der Republik Rem, des Königreichs Namor sowie der freien Länder, die zusammen den Schauplatz von “Freaks’ Squeele: Totenfeier” bilden.

Fazit

“Freaks’ Squeele Band 1: Totenfeier Band 1″ ist ein richtig guter Comic, der den Leser sofort in eine fremde Welt mit eigenen Gesetzen entführt. Doch bleibt viel Raum für Ausgestaltung offen, von der ich hoffe, noch einiges in den Folgebänden zu sehen.

Zur Info:

Neben der Reihe “Freaks’ Squeele: Totenfeier” erscheint 2016 auch die Hauptreihe “Freaks’ Squeele” beim Splitter Verlag.

Verlag/ Label: Splitter Verlag

Autor: Florent Maudoux

Veröffentlichung: 01.06.2015

Seitenzahl: 80

ISBN: 978-3-95839-084-3

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Webseite: http://www.splitter-verlag.eu/freaks-squeele-bd-1-totenfeier-band-1.html

Webseite 2: Amazon

Webseite 3: http://www.splitter-verlag.eu/freaks-squeele-hauptserie-book-bd-1.html

Copyright Artikelbild: Splitter Verlag

  • 7/10
    Handlung - 7/10
  • 8/10
    Intensität und Atmosphäre - 8/10
  • 8/10
    Grafische Ausarbeitung - 8/10
  • 7/10
    Charaktere - 7/10
  • 10/10
    Druckqualität und Haptik - 10/10
8/10

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