AELDABORN – Fountain Of Darkened Fires

Zu viele Köche verderben den Brei, lehrt uns eine alte Redeweise und hat meistens auch recht damit. Die Neofolk Band Aeldaborn beweist, dass das nicht immer der Fall sein muss und dass viele verschiedene Talente gleichzeitig zur Geltung kommen können, wenn sie es nur verstehen, miteinander zu harmonieren.
Allein sieben Bandmitglieder zählt die Band, zusätzlich danken Aeldaborn im Booklet ihres aktuellen Albums “Fountain Of Darkened Fires” fünf Gastmusikern.

“Fountain Of Darkened Fires” hinterlässt eine Menge verschiedener Eindrücke, und obwohl es aus den Ideen, Einflüssen und Fähigkeiten so vieler verschiedener Künstler zusammengesetzt ist, gibt es hier keine Spur von Chaos – die Stücke sind vielseitig, doch in sich stimmig; ebenso klingen sie oft so unterschiedlich, dass man sie nicht sofort demselben Album zuordnen würde, und bilden letztendlich doch eine ungewöhnliche, doch harmonische Einheit.

Viele der Songs basieren hauptsächlich auf einer akustischen Gitarre und einem sehr dominanten Einsatz von Trommeln.
Die schlichte Gitarrenbegleitung verleiht den Stücken, trotz unüberhörbarer Melancholie, einen romantischen Lagerfeuer-Charakter, nicht zuletzt aufgrund ihres starken Fokus auf eingängige Melodien.

Zu dieser Art von Stücken gehört beispielsweise die Vertonung von “Independence”, eines Gedichtes von Aleister Crowley, oder auch das Stück “Parthenian Circles” mit seinem etwas aufbrausenden Refrain, in dem Gitarre und Trommel eine schöne Einheit eingehen, da die Musiker sie exakt aneinander angleichen.
Unerwarteterweise verändert sich die Melodie des Stücks im Outro. Oft stoßen Bands mit solchen Brüchen Hörer vor den Kopf, aber in diesem Fall verläuft der Wechsel ebenso stimmig wie der Rest des Albums.

In einigen anderen Liedern spielen neben den signifikanten Trommeln und den melodischen Gitarren ein oder zwei andere Instrumente eine wichtige Rolle. Aeldaborn nutzen hier die ihnen zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen, denn ihre sieben Musiker und zahlreichen Gastmusiker wissen eine Menge Instrumente zu bedienen.

So beginnt und endet das fast zehnminütige epische “The Descent Of Odin” mit einer wunderschönen Violine, gespielt vom Gastmusiker Michael Weinstein.
Das Intro “Nature As It Is” hingegen stellt eine Flöte in den Vordergrund. Für die Komposition und Umsetzung des Stücks ist übrigens der Musiker D:T:K ganz alleine verantwortlich.
Das zunächst mehrstimmige “Below The Wings Of Isis” klingt aufgrund des Einsatzes von Flöten und einer Harfe besonders zart. Beide Instrumente werden von Gastmusikerinnen gespielt und dominieren zunächst, ordnen sich dann aber einer ebenso ruhigen und weichen Akustikgitarre unter.

Erfreulicherweise gelingt es Aeldaborn sehr gut, den Hörer trotz dieser Fülle an Instrumenten nicht zu überfordern: Nie sind es zu viele Instrumente, zu viele Melodien, zu viele Einflüsse auf einmal in einem Song. Und auch obwohl sich die Musiker beim Gesang auf dem Album häufig abwechseln, geschieht dies in einem einzelnen Song nur in einem noch angenehmen Rahmen: Duette oder mehrstimmige Gesangspassagen sind vorhanden, aber nie wird es zu viel.

Nicht alle Songs auf “Fountain Of Darkened Fires” sind melodiöse oder sanfte Lagerfeuerstücke. Was sich im dritten Song schon leicht angekündigt hat, offenbaren Aeldaborn spätestens mit dem siebten Lied “Noch Brennen Die Uralten Feuer”: Die Band hat noch eine andere Seite, musikalisch charakterisiert von ritualartigen Gesängen einerseits und dramatischen, bedrohlichen und sehr düsteren Instrument-Einsätzen andererseits. Besagten Titel durchzieht eine hypnotische, beschwörende Stimmung, die umgesetzt wird durch ein gleichmäßiges Schlagwerk und chorartige Hintergrundgesänge, während der ungehaltene Sprechgesang, fast schon geschrieen, und der verstörende und verzerrte Bass dem Stück einen Charakter von Dramatik bis hin zur Raserei verleihen.

Eine ähnliche Stimmung vertonen Aeldaborn mit “Wir Weben”, der klanglichen Umsetzung des bekannten gesellschaftskritischen Gedichts von Heinrich Heine, das er 1844 zur Zeit der Industrialisierung geschrieben hatte, um auf die missliche Lage der Arbeiterschaft aufmerksam zu machen: Dieser minimalistische Song legt seinen Fokus ganz auf den wütenden und frustrierten Sprechgesang, der den Hörer die Gefühle der zornigen und hoffnungslosen Weber regelrecht spüren lässt. Ansonsten besteht der Song nur mehr aus einem langsamen und deswegen sehr expressiven Schlagwerk und einem düsteren Elektrofundament, die beide nie dominant werden und so den Gesang als zentrales Element betonen.

Zu erwähnen ist noch “Four Crowns Of Winter”, ein sehr experimentelles, sogar etwas psychedelisch anmutendes Lied: Es besteht aus einem sehr minimalistischen Intro, das anderthalb Minuten lang nur aus undefinierbaren Klangexperimenten besteht, gefolgt von aufwühlendem Gesang und tiefen Streichern. Alle Stücke dieser Art haben gemeinsam, dass aufgrund des gesprochenen oder sehr fragmentarischen Gesangs und der Abwesenheit von Melodieinstrumenten kaum Melodien auszumachen sind.

Um eine Brücke zwischen diesen verschiedenartigen Liedern – den romantischen Lagerfeuer-Stücken auf der einen und den Ritualgesängen sowie minimalistischen und düsteren Liedern auf der anderen Seite – zu schlagen, kombinieren Aeldaborn auch gerne, jedoch stets stimmig und gekonnt, die Stilarten ihrer Stücke. So ist beispielsweise “All Things Must Come To An End” zwar sehr gitarrenlastig und mutet teilweise an wie eines der Stücke, die gut ans Lagerfeuer passen würden, dass der Text jedoch eher gesprochen als gesungen ist und somit eine eingängige Gesangsmelodie auf weiten Strecken fehlt, erwartet man als Hörer nicht. Trotzdem ist das Lied in sich harmonisch.

Ebenso wie musikalisch präsentieren sich Aeldaborn auch textinhaltlich sehr vielseitig, was auch nicht verwunderlich ist angesichts der Tatsache, dass so gut wie jedes Bandmitglied Texte für das Album beigesteuert hat: Neben der Vertonung erwähnter literarischer Klassiker erzählen Aeldaborn germanische und ägyptische Göttersagen, schildern Ereignisse, Begegnungen und Erfahrungen in und mit der Natur oder präsentieren sich heidnisch-beschwörend.

Schlussendlich kann man eigentlich nur noch mal das zusammenfassen, was nun schon mehrmals erwähnt und erläutert wurde: “Fountain Of Darkened Fires” ist ein sehr abwechslungsreiches, doch in sich stimmiges Album, auf dem viele verschiedene Einflüsse zusammenkommen und mittels dem sich Musiker mit verschiedensten Talenten ausleben. Die Harmonie, die sie dabei stets wahren, ist geradezu faszinierend.

Verlag/ Label: Deggial Records
Veröffentlichungsdatum: 03.2011

Trackliste:
01 Intro / Nature As It Is
02 Parthenian Circles
03 The Descent Of Odin
04 Ship Of Fools
05 Independence
06 All Things Must Come To An End
07 Noch Brennen Die Uralten Feuer
08 All Darkness Comes
09 Four Crowns Of Winter
10 Below The Wings Of Isis (feat. Inneres Gebirge)
11 Wir Weben
12 Naos
13 Pagan Candlelights
14 Io Seth!
15 Outro / Mit Mann Und Ross Und Wagen

Webseite: http://www.aeldaborn.de/
Copyright Artikelbild: Deggial Records

  • 85%
    Gesamtwertung - 85%
85%

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben