Splitter Verlag

CHRISTOPHE BEC & FABRIZIO FAINA & MAURO SALVATORI – Vergessene Welt Teil 1

Zu unserer Dinoreihe anlässlich des Kinostarts von “Jurassic World” gesellt sich nun ein besonderes Produkt: Der Comic zum Klassiker der Abenteuerliteratur “Die Vergessene Welt”. Die Umsetzung von Sir Arthur Conan Doyles (jep, der gute Mann hat nicht nur Sherlock Holmes Geschichten geschrieben) Meisterwerk erscheint in Form eines Comic-Dreiteilers vom Autor Christophe Bec und den Künstlern Fabrizio Faina, Mauro Salvatori und Andrea Scopetta. Doch im Comicwerk erwarten uns keine pompöse Action oder Effektfeuerwerke, sondern eine absolut detailliert recherchierte Geschichte mit intelligent ausgearbeiteten Charakteren.

Die Vorlage

Kaum ein Roman wurde so oft veröffentlicht, verfilmt und neu interpretiert wie der im Jahre 1912 erschienene “Die Vergessene Welt” (im Original “The Lost World”) von Sir Arthur Conan Doyle. Viele Interpretationen der Geschichte haben aber kaum mehr etwas mit der Originalvorlage zu tun, lediglich das Element der Dinosaurier findet sich in diesen wieder, so dass man sich darüber streiten kann ob es sich um eine Anlehnung an “Die Vergessene Welt” oder eine vollkommen neue Geschichte handelt. Das Original wurde bereits im Jahre 1925 verfilmt. Ich kenne leider nur eine Szene aus dem Film, diese sieht für die damalige Zeit aber sehr gut und stimmig aus. Der Film wurde sogar in die National Film Registry aufgenommen, welche besonders erhaltenswerte Filme aus dem Herkunftsland USA auszeichnet. Verantwortlich dafür ist die für damalige Verhältnisse grandiose Tricktechnik, die später auch in “King Kong Und Die Weiße Frau” (1933) Anwendung fand.

Eine der Hauptfiguren von “Die Vergessene Welt” ist der exzentrische Professor George Edward Challenger, der aufgrund einer geheimnisvollen Notiz ein geheimes Plateau in Südamerika vermutet, auf dem noch Dinosaurier leben sollen. Um deren Existenz zu beweisen, reist er mit einer Expeditionsgruppe dorthin. Dieses Plateau existiert tatsächlich und heißt Roraima-Tepui (eine Tepui ist ein Tafelberg, der durch natürliche Erosion entstanden ist). Hier gibt es tatsächlich eine weltweit einzigartige Flora und Fauna, aber leider keine Dinosaurier. 🙁 Dieser Umstand zeigt aber, wie genau und mit welchen Fakten der Roman untermauert ist. Professor Challenger selbst kommt sogar noch in zwei weiteren Romanen von Sir Arthur Conan Doyle vor, die rein gar nichts mit Dinosauriern zu tun haben. Diese Romane der sog. Challenger-Trilogie lauten “Das Nebelland” und “Der Giftstrom”. Als großer Fan der Figur Professor Challenger, dem hünenhaften und etwas unseriösen Wissenschaftler, war ich total überrascht, dass dieser nicht nur Teil von “Die Vergessene Welt” ist. Zu den anderen Romanen werde ich auf jeden Fall mal Nachforschungen anstellen und mir diese zu Gemüte führen, und wer weiß, vielleicht trifft man sich ja zukünftig dann wieder in einer Rezension. 🙂

Die Handlung

Professor Challenger gelangte in den Besitz eines Tagebuchs, das von einem mysteriösen Plateau in Südamerika spricht, auf welchem tatsächlich noch Dinosaurier leben sollen. Nachdem er eine erste Expedition wegen eines Schlangenbisses abbrechen musste, versucht er nun eine zweite, besser vorbereitete Expedition zu starten. Zu diesem Zweck sucht er seinen Hauptkonkurrenten Professor Summerlee auf, den er zu einer Wette um die Existenz von Dinosauriern auf dem unbekannten Plateau in Südamerika bewegt. Professor Summerlee willigt ein, da er nicht an Dinosaurier in der Neuzeit glaubt und begleitet die Expedition. Zum Schutz wird zudem der weltbekannte Großwildjäger Lord Roxton angeheuert. Der Journalist Edward Dunn Malone vervollständigt das ungleiche Quartett der englischen Gentleman, die auf das Abenteuer ihres Lebens aufbrechen.

Kaum Dinos, dafür Atmosphäre satt! (Spoiler!)

Die Erzählweise des Originals von “Die Vergessene Welt” gleicht einer Reiseerzählung und auch die Comicadaption “Vergessene Welt” orientiert sich an dieser Form. Im Gegensatz zum Hollywood-Blockbuster “Jurassic World” arbeitet der Comic “Vergessene Welt” mit Atmosphäre und Spannung anstatt mit Action und Special Effects. Sowohl Romanvorlage als auch Comicadaption sind besonders mit ihren Charakteren dem Film meilenweit voraus, denn die vier Hauptcharaktere Professor Challenger, Professor Summerlee, Lord Roxton und der Journalist Malone sind herrlich ausgebaute und vor allem zeitlose Individuen, die unzählige Male in anderen Medien und Geschichten kopiert wurden. Für das Skript und den Text in “Vergessene Welt” ist Christophe Bec verantwortlich.

Dreh- und Angelpunkt sind die Dinosaurier, von denen beinahe sämtliche Faszination und Spannung in “Vergessene Welt” ausgeht. Zunächst steht natürlich in der Geschichte die Frage im Raum, ob sie tatsächlich existieren, doch werde ich jetzt wohl niemanden spoilern wenn ich verrate, dass in “Vergessene Welt” tatsächlich Dinos vorkommen, schließlich sind schon zwei Brachiosaurier auf dem Cover zu sehen. 🙂 Die Dinos werden in “Vergessene Welt” zunächst nur sehr spärlich verwendet, deren Auftauchen wirkt dadurch aber nur umso intensiver. Ingesamt treten im ersten Band drei, vielleicht vier verschiedenen Arten von Dinosauriern auf. Dazu möchte ich aber genauer in der Rezension des zweiten Bandes kommen.

Zeichnungen

Die zeichnerische Ausgestaltung von Fabrizio Faina und Mauro Salvatori ist definitiv gelungen. Besonderes Lob verdient die Ausgestaltung der verschiedenen Gegenden sowie der über hundert Jahre alten (ich meine die Veröffentlichung des Buches im Jahre 1912) Charaktere. Ich kenne diverse Versionen der Professoren Challenger und Summerlee, des Großwildjägers Roxton und des jungen Schreiberlings Malone und muss sagen, dass die Versionen im vorliegenden Comic auf jeden Fall zu den besten gehören. Professor Challenger entspricht hier sehr genau der Beschreibung im Originalroman, die drahtige Version des älteren Professors Summerlee überzeugt ebenso. Malone wirkt wie ein typischer junger Mann des viktorianischen Londons und die etwas ältere Version des Lords Roxton gefällt mir ganz besonders gut, schließlich spiegelt diese die Erfahrung des Großwildjägers wieder.

Die Coloration von Andrea Scopetta ist durchaus gelungen, lediglich hätte ich mir an einigen Stellen kräftigere Farben gewünscht. Ansonsten werden viele den Schauplätzen entsprechende Farbenspektren gewählt, also im Dschungel viele Facetten der Farbe Grün sowie Erdtöne, im viktorianischen London und im Gebirge Farben von Grau bis Schwarz.

Aufmachung

Eine typische Veröffentlichung des Splitter Verlages, die einen Comicband mit sehr guter Druck- und Papierqualität im Hardcover meint. Als Bonus sind im hinteren Teil des Comics noch Skizzen zur Entstehung vom ersten Band von “Vergessene Welt” zu finden, die einmal mehr die Leistung der Künstler widerspiegeln. “Vergessene Welt” erscheint in drei Bänden, der zweite Band liegt schon vor mir, ihr ahnt also, was euch demnächst erwartet. 🙂

Fazit

Christophe Bec schafft es, die weltbekannte Romanvorlage von “Die Vergessene Welt” von Sir Arthur Conan Doyle wunderbar in Comicform wiederzugeben. Es entsteht eine gute recherchierte Geschichte mit intelligent ausgearbeiteten Charakteren, ein Gentleman-Abenteuer, wie es heute einfach viel zu wenige gibt.

Verlag/ Label: Splitter Verlag

Autor: Christophe Bec ; Romanvorlage: Sir Arthur Conan Doyle

Veröffentlichung: 01.02.2015

Seitenzahl: 56

ISBN: 978-3-95839-024-9

Altersfreigabe: unbekannt

Webseite: http://www.splitter-verlag.eu/vergessene-welt-bd-1.html

Webseite 2: http://www.biography.com/people/arthur-conan-doyle-9278600#video-gallery

Webseite 3: http://www.conandoyleestate.com/

Copyright Artikelbild: Splitter Verlag

  • 8/10
    Handlung - 8/10
  • 8/10
    Intensität und Atmosphäre - 8/10
  • 8/10
    Grafische Ausarbeitung - 8/10
  • 8/10
    Charaktere - 8/10
  • 10/10
    Druckqualität und Haptik - 10/10
8.4/10

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