Mount & Blade – Warband [Playstation 4]

Schwierigkeit: Mittel; New Game Plus: Nein; Spielzeit: 80+ Stunden; Getestetes System: Playstation 4; Spielerzahl: 1; Multiplayer: 2-32

Das eigentlich schon 2010 erschienene Videospiel “Mount & Blade - Warband“, dem Remake des 2008 veröffentlichten “Mount & Blade“, erscheint nun sechs Jahre später auch für die aktuelle Konsolengeneration. Ob der umfangreiche, doch technisch arg in die Jahre gekommene Mittelaltersimulator überzeugen kann, erfahrt ihr hier im Test:

Charaktererstellung

Bevor ihr euch in die mittelalterliche Welt des fiktiven Calradia stürzen könnt, gilt es zunächst einmal euren eigenen Charakter zu erstellen. Zunächst wählt ihr euer Geschlecht aus und ich rate euch hier unbedingt eine Frau zu spielen, denn als weiblicher Held habt ihr es zu Beginn in “Mount & Blade - Warband“ nicht nur schwerer, auch einige der Trophys lassen sich nur als Frau freischalten. Der Grund dafür ist ganz einfach, denn da die patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen, die im Mittelalter leider an der Tagesordnung waren, kaum Platz für Frauen ließen, mussten sich diese ihren Platz in der Welt noch schwerer erkämpfen. Zum Glück könnt ihr euch aber durch Ruhmestaten einen Namen machen und genauso hoch aufsteigen wie eure männlichen Kollegen, nur eben mit mehr Startschwierigkeiten. Aber da wir anspruchsvolle Zocker ja auf Herausforderungen stehen, wählen wir das weibliche Geschlecht für unseren Avatar.

Nach der bedeutenden Wahl des Geschlechts dürft ihr euch im Charaktereditor austoben und euer Aussehen festlegen. Trotz diverser Anpassungsmöglichkeiten stoßt ihr jedoch schnell an eure Grenzen, denn die altertümliche Technik des Games begegnet euch hier zum ersten Mal und ihr werdet ernüchtert feststellen, dass ihr ein Spiel mit der Grafikqualität eines Playstation 2 Spieles erworben habt. Die in die Jahre gekommene Technik ist auch das Hauptproblem des Spiels, und neben der groben Grafik ist auch das Gameplay und die generelle Präsentation nicht besonders gelungen. Und doch, trotz all dieser Schwächen, bieten uns die türkischen Entwickler von TaleWorlds Entertainment mit “Mount & Blade - Warband“ ein gelungenes Game, wie ihr hier noch herausfinden werdet.

Nun könnt ihr noch eure Vorgeschichte auswählen, die einen wichtigen Einfluss auf den Start ins Spiel hat. Ihr könnt z.B. auswählen ob ihr das Kind eines verarmten Adeligen oder eines Bauern seid und ob ihr als Gassenkind oder Lehrling eines Handwerkers eure Kindheit verbracht habt. Je nach Entscheidung ändern sich eure Startwerte. Auch eure Startausrüstung ändert sich je nach euren Entscheidungen.

Beim nächsten Schritt geht es ums Feintuning euer Werte, die ihr ja bereits durch die Entscheidung euer Herkunft in eine bestimmte Richtung entwickelt habt. Hier könnt ihr weitere Punkte in die diversen Fähigkeiten, Attribute und Skills stecken und Stärken ausbauen bzw. Schwächen ausgleichen, je nachdem was eurem Spielstil entspricht. Dabei gibt es drei Hauptgruppen, in die sich die Werte aufteilen: Die Charakterwerte, die aus Stärke, Charisma, Athletik, Intelligenz usw. bestehen und eure Grundeigenschaften darstellen. Viel umfangreicher ist die Liste der Fähigkeiten, die ihr erlernen und steigern könnt und die z.B. eine Erhöhung eurer Lebenspunkte, Fertigkeiten zum Bau von Belagerungswaffen, Gefangenenhandhabung, Anführerfähigkeiten und Handelstalent umfassen. Bestimmte Fähigkeiten könnt ihr aber erst bei einem gewissen Grundwert der Charakterwerte erwerben und steigern (z.B. braucht ihr den Wert Charisma auf einer bestimmten Höhe um mehr Truppen führen zu können). Die dritte Fähigkeitengruppe widmet sich schließlich den Kampfwerten, die Einhandwaffen, Zweihandwaffen, Stangenwaffen, Bogen, Armbrust und Wurfwaffen beinhalten.

Zu guter Letzt könnt ihr dann noch euer Startgebiet in einer der verschiedenen Nationen wählen. Optional steht euch im Hauptmenü jederzeit ein Tutorial zu Verfügung in welchem ihr die Grundsteuerung, das Reiten und den Kampf erlernt. Dieses Tutorial empfehle ich euch unbedingt, denn ansonsten wird es zu Beginn im Spiel zu Beginn gerade in den Kämpfen sehr hektisch.

Führt eure Armee an und erstürmt Festungen des Feindes!

Führt eure Armee an und erstürmt Festungen des Feindes!

Ein Reich zu erobern

Je nach eurer Vorauswahl bei der Charaktergenerierung beginnt ihr das Spiel immer ähnlich und erhaltet am Start etwas Hilfe, bevor ihr euch vollkommen frei in der großen Mittelalterwelt von Calradia austoben dürft. Ihr startet das Spiel auf der großen Karte immer direkt neben einer Stadt, in der ihr eine Startquest findet, die euch die Grundlagen des Spiels näherbringt.

Die große Freiheit im Sandbox Titel “Mount & Blade - Warband“ kann dem Spieler natürlich auch zum Verhängnis werden und mein erster Versuch ins Spiel zu kommen schlug auch glatt fehl. Mein Pferd getötet, meine Truppen gefangen und meine Ausrüstung gestohlen, war ich nach dem Angriff auf einen viel zu schwierigen Feind erstmal platt. Das Spiel bietet aber viele Gelegenheiten sich immer wieder aufzurappeln. Beim zweiten Anlauf, als ich die grundlegenden Spielprinzipien erlernt hatte, lief plötzlich alles wie am Schnürchen. Ihr seht also, das Spiel benötigt etwas Einarbeitungszeit und hilft euch nach dem Start auch nicht mehr weiter, was aber das Spiel umso interessanter macht, da ihr die vielen Möglichkeiten, die euch das Spielprinzip anbietet, erstmal kennenlernen müsst. Generell hasse ich es wenn einen Spiele zu sehr an die Hand nehmen und schätze Spiele wie “Mount & Blade - Warband“, die uns Spieler fordern, umso mehr. Zum Glück geht der Trend ohnehin wieder weg vom casual gaming und hin zu komplexen Erlebnissen für Core-Gamer.

Das Szenario des Strategie-Rollenspiels “Mount & Blade - Warband“ findet im fiktiven Land Calradia statt. Das große Gebiet ist in mehrere Reiche unterteilt, wobei sich deren Grenzen beständig ändern, denn in Calradia ist Krieg an der Tagesordnung. Auf der Karte findet ihr verschiedene Städte, Burgen und Dörfer, die ihr bereisen könnt und in denen ihr lokale Machthaber antrefft, von denen ihr Aufträge erhaltet. Generell solltet ihr gerade zu Beginn jede noch so blöde Aufgabe erledigen, auch wenn ihr zum dutzenden Mal einen Brief transportieren müsst. Das Erledigen von Räuberbanden, Geleitaufträge zum Eskortieren von Karawanen und die Ausbildung einer Dorfmiliz sind Beispiele für wiederkehrende Aufträge im Spiel. Je höher ihr gesellschaftlich aufsteigt, was ihr durch das Erledigen von Quests, das Gewinnen von Turnieren, Großherzigkeit gegenüber der Bevölkerung und auch durch Unterstützung von Feldzügen und einer Heirat erreichen könnt, desto anspruchsvoller werden auch eure Aufgaben. Und um diese zu schaffen seid ihr nicht allein, sondern ihr rekrutiert beständig weitere Truppen. Während ihr zu Beginn je nach Startfertigkeiten nur etwa 40-50 Einheiten ins Feld führen könnt, steigt die Truppenzahl durch Steigerung eurer Anführerfertigkeiten weiter an und das ist auch dringend notwendig, denn nach anfänglichen Scharmützeln müsst ihr schnell große Schlachten schlagen und Burgen und Städte einnehmen und das geht wiederum nur mit vielen und gut ausbildeten Truppen. Auch eure Truppen, von denen es viele unterschiedliche Arten (Reiter, Bogenschützen, Armbrustschützen usw. und das mit Unterschieden, je nach Herkunftsland) gibt, werden durch weitere Erfahrung (im Kampf und durch eure Ausbildung) stärker. NPCs, die ihr auch im Spiel finden und anwerben dürft, könnt ihr wie euren Charakter sogar individuell bei den Werten und der Ausrüstung anpassen.

Die Ausrüstung eures Charakters besteht aus Waffen, Rüstung und einem Reittier. Das Spiel stellt euch hier viele verschiedene Ausrüstungsgegenstände und Pferde zur Auswahl, die sich in den jeweiligen Werten unterscheiden. Dabei seid ihr aber zunächst darauf angewiesen bessere Ausrüstung als Kampfbeute zur erlangen, denn in den Geschäften erreichen diese schnell mal astronomische Preise. Neben Ausrüstung gibt es auch noch Essensvorräte, die ihr zur Ernährung eures Heeres braucht, und diverse Handelsgüter zu erwerben.

Das Ganze geht soweit, dass das Spiel uns ein kleines Wirtschaftssystem bietet, das es uns sogar erlaubt Länderreien zu kaufen und darauf einen Betrieb (z.B. eine Brauerei) zu errichten. Und wenn ihr gar ein eigenes Lehen von euren Fürsten erhaltet, werdet ihr selbst zum Herrscher und dann erlangt das Spiel eine ganz neue Seite. Welchen König werdet ihr unterstützen? Welchen seiner Diener schaltet ihr aus und nehmt seinen Platz ein? Oder zuerst eine politisch motivierte Heirat um euch Unterstützung zu sichern bevor ihr gar den König vom Thron stoßt und selbst zum Herrscher werdet? Und dann gilt es ganz Calradia zu erobern! Das sind nicht nur Gedanken zum Spiel, sondern alles konkrete Möglichkeiten des Games um weiter Macht zu erlangen und ein Reich ganz nach euren Vorstellungen zu schaffen. Und diese umfangreichen Möglichkeiten machen auch die Faszination von “Mount & Blade - Warband“ aus!

Gesellschaftliche Events wie Siegesfeiern und Hochzeiten stellen wichtige Ereignisse dar, bei denen ihr durch geschicktes Taktieren an Einfluss und Ansehen gewinnen könnt.

Gesellschaftliche Events wie Siegesfeiern und Hochzeiten stellen wichtige Ereignisse dar, bei denen ihr durch geschicktes Taktieren an Einfluss und Ansehen gewinnen könnt.

Gameplay

Das Gameplay von “Mount & Blade - Warband“ lässt sich in zwei Bereiche unterteilen und zwar der Bewegung der Truppen auf der Landkarte und der Steuerung eures eigenen Charakters in den Städten und im Kampf. Auf der Karte könnt ihr euer Team per Tastendruck auf ein bestimmtes Feld manövrieren. Dabei habt ihr von Anfang an komplette Einsicht auf die Karte von ganz Calradia und müsst diese nicht zuerst aus dem Nebel des Krieges aufdecken. Ihr könnte eure Truppen nicht aufteilen, sondern reist stets mit allen Einheiten gleichzeitig. Um auch bei den zahlreichen feindlichen Einheiten den Überblick nicht zu verlieren, pausiert das Spiel jedes Mal, wenn ihr euch nicht bewegt.

Wenn ihr einen Ort (Dorf, Burg, Stadt, Schlachtfeld, Übungsplatz usw.) aufsucht, wechselt das Spiel in die Third-Person-Ansicht und ihr könnt euren Charakter direkt bewegen. Neben Gehen, Springen und mit Personen zu interagieren konzentriert sich das Gameplay hauptsächlich auf den Kampf. Dabei wählt ihr aus welcher Richtung ihr auf den Gegner einhackt um ihn außerhalb seiner Deckung zu treffen. Im Gegenzug müsst ihr auch mit eurer Waffe in die Richtung parieren aus der der gegnerische Schlag kommt. Mit einem Schild ist eure Abwehrfläche größer und das Parieren dementsprechend einfacher. Zu Pferd gestaltet sich der Kampf aber ziemlich ungenau und regelrecht krakelig, so das ihr hier schon ein wenig Übung braucht um eure Feinde überhaupt zu treffen. Richtig schlecht wurde allerdings das Lanzenreiten umgesetzt, vor allem, wenn man in einem Turnier einem Haufen Ritter zusehen muss, wie diese versuchen sich ohne Anlauf zu nehmen zu piksen und keiner dabei auch nur einen Schadenspunkt bekommt….

Deutlich einfacher und gelungener zeigt sich jedoch der Fernkampf mit Bogen, Armbrust und Wurfwaffen, bei dem ihr mit Hilfe einer Art Fadenkreuz, das fokussiert, wenn ihr ruhig auf den Feind zielt, euer Ziel abschießen könnt. Der Fernkampf spielt in den Schlachten eine große Rolle und kann gerade für zu schnell voranpreschende Helden den vorzeitigen Tod bedeuten.

Als taktisches Element könnt ihr euren Truppen in den Gefechten lediglich einfache Befehle geben, wie etwa, dass bestimmte Gruppen das gleiche Ziel wie ihr angreifen sollen, oder, dass sich eure Frauen und Mannen nicht bewegen dürfen und einen bestimmten Bereich bewachen müssen. Hier hätte ich aber gern mehr taktische Möglichkeiten gesehen.

Grafik

Man sieht “Mount & Blade - Warband“ sein Alter bei der Grafik stark an, wobei das Game sogar beim PC Release schon nicht gut aussah. Man kann den Look des Spiels auch gar nicht gut reden, es sieht einfach nicht toll aus, was sich unter anderem am kantigen Look der Figuren und den leblosen Arealen zeigt. Die Artworks, die an verschiedenen Situationen im Spiel auftauchen, sind hingegen richtig gelungen und fördern die Stimmung.

Sound

Mittelalterliche Klänge erfüllen das Spiel und sorgen für eine gelungene Atmosphäre. Leider hat “Mount & Blade - Warband“ keine Sprachausgabe. Die umfangreichen Textpassagen, die einen großen Teil des Spiels ausmachen, sind auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch verfügbar (wobei immer wieder kleine Grammatikfehler auftauchen, die deutsche Übersetzung ist also eher mäßig).

Multiplayer

Neben dem umfangreichen Singleplayermodus bietet “Mount & Blade - Warband auch einen Multiplayerpart, bei dem sich bis zu 32 Spieler die Köpfe einschlagen können. Hier befinden sich die Spieler aber nicht auf der Karte Calradias, sondern bekämpfen sich in verschiedenen Gefechten, wie Burgbelagerungen oder Feldschlachten. Dabei kämpft ihr entweder in Form eines Team-Death-Matches jeder gegen jeden oder zusammen als Gruppe gegen andere Spieler. Mit steigender Anzahl von Kills erwerbt ihr in den Matches immer stärkere Ausrüstung, so dass ihr euch auf längere Seasons am Stück konzentrieren solltet, anstatt dem Multiplayer-Modus mal kurz einen Besuch abzustatten.

“Mount & Blade 2: Bannerlord“

“Mount & Blade - Warband“ ist ein sehr gelungenes Spiel mit vielen, vielen Baustellen. Die gelungene Präsentation der Mittelalterwelt überzeugt, dennoch gäbe es schon auf den ersten Blick so viele Elemente, die man noch hinzufügen könnte, die das Spiel einfach noch besser machen würden, und dabei beziehe ich mich nicht nur auf Grafik und Gameplay, sondern vor allem auf umfangreichere Interaktionsmöglichkeiten. Die bisher veröffentlichten Gameplay-Videos des Fortsetzungstitels "Mount & Blade 2: Bannerlord" zeigen aber bereits, dass sich die Entwickler von TaleWorlds Entertainment massiv mit der Weiterentwicklung beschäftigt haben und viele Bereiche des Spiels verbesserten. So sehen wir z.B. wie man eine Burg verteidigt und nun die Angreifer direkt vor dem Tor mit Steinen bewerfen kann und auch die Möglichkeiten diese schon aus der Ferne zu beschießen wurde verbessert. Auch die Grafik hat sich deutlich verbessert. Die Fortsetzung des Spiels soll auch für die Playstation 4 und die Xbox One zu einem noch unbekannten Release-Termin erscheinen.

Fazit

Trotz kleiner Macken und einer Präsentation von Vorgestern ist das Videospiel “Mount & Blade - Warband“ ein richtig gutes Game. Gerade Spiele wie “Mount & Blade - Warband“ fehlen auf den Konsolen und so stellt das Sandbox Mittelalter Strategie-Rollenspiel eine wertvolle Bereicherung für Konsolenspieler dar, die ein innovatives Spielkonzept präsentiert bekommen, das sie viele, viele Stunden bei Laune halten kann. Dass “Mount & Blade - Warband“ auch noch als retail Version im Handel und das auch noch zu einem äußerst fairen Preis erscheint, kann ich gar nicht genug loben. Wer sich also an einer altbackenen Präsentation nicht stört und ein Spiel mit einem stimmigen Mittelalterszenario sucht, der darf bei “Mount & Blade - Warband“ bedenkenlos zugreifen!

Mount & Blade: Warband - Console Release Trailer

Verlag/ Label: Ravenscourt
Veröffentlichung: 16.09.2016
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Webseite: https://www.taleworlds.com
Webseite 2: Amazon
Copyright Artikelbild: Koch Media GmbH
Copyright andere Bilder: Koch Media GmbH

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben