ATOMTRAKT – Interview

Mit "Sperrstelle Nordost" gibt es endlich wieder fantastisches Futter für die Freunde der martialischen Klänge.Was es mit jenem Werk und dessen Titel genau auf sich hat, erfahrt ihr hier in diesem interessanten Wortwechsel, den ich mit einem freundlichen Gegenüber abhalten durfte. Wer nun neugierig geworden ist, der sollte hier weiterlesen.

blizzard: Hallo CZ! Das neue Werk Deines Projektes ATOMTRAKT ist ja allererste Sahne geworden. Ich denke mal, auch Du bist mit dem Resultat zufrieden?

CZ: Guten Tag! Es freut mich zu hören, dass dir das neue ATOMTRAKT-Werk "Sperrstelle Nordost" zusagt. Ich selber bin mit dem Resultat sehr zufrieden. Klar, im Nachhinein denkt man immer, dass man das eine oder andere eventuell hätte anders oder besser machen können. Aber im Großen und Ganzen bin ich mit dem Gesamtresultat sehr zufrieden. Das neue Album sollte auf jeden Fall die Vorgängeralben übertrumpfen, sollte noch dichter, noch bedrohlicher, noch düsterer, noch bombastischer werden. Dieses Ziel wurde auf alle Fälle erreicht, würde ich sagen. Das neue Werk kommt sehr apokalyptisch daher, würde ich sagen.

blizzard: Der Albumtitel "Sperrstelle Nordost" bezieht sich ja auf ein Gebiet in der Schweiz, welches in Kriegszeiten von nationaler Bedeutung war. Kannst Du für unsere Leser etwas intensiver darauf eingehen?

CZ: Das neue Album "Sperrstelle Nordost" handelt von der Region, in der ich lebe. Die "Sperrstelle Nordost" war im Zweiten Weltkrieg (und auch im Kalten Krieg) von nationaler Bedeutung für die Schweiz. Die ganze Region ist voll von Sperrstellen, Bunkern, Schießanlagen, Panzersperren usw. Das Ziel des Albums ist es, diese Zeit erneut aufleben zu lassen. Das neue Album ist bedrohlich, martialisch, kalt, militant, bombastisch, erhaben düster und apokalyptisch. Alle Bilder stammen auch aus dieser Region. Das ganze Album ist im Jahre 2008/2009 entstanden. Auch das Bewegbild (neudeutsch auch Video genannt) versucht den Geist dieser Zeit erneut aufleben zu lassen. Alle Aufnahmen stammen aus der Gegend der Sperrstelle Nordost. Die neue Scheibe handelt generell von der Situation der Schweiz im Zweiten Weltkrieg/Kalten Krieg. Eine Zeit der Bedrohung, der Angst und der Ungewissheit.

blizzard: Wieso hast Du Dich thematisch eigentlich auf die Schweiz festgelegt? Oder besteht da Deinerseits ein bestimmtes Interesse?

CZ: Ich habe mich thematisch auf die Schweiz festgelegt, da ich hier lebe. Inmitten der "Sperrstelle Nordost". Da lag es auf der Hand, diese Gegend zu vertonen. Die ganze Sache ist sehr spannend und alle Relikte der Vergangenheit sind sozusagen vor der Haustüre. Bezüglich Geschichte und Vergangenheit der Schweiz: Ich beschäftige mich hauptsächlich mit der Situation der Schweiz im Zweiten Weltkrieg / im Kalten Krieg. Wie bereits erwähnt ist das Thema hier noch immer recht präsent und man findet unzählige Relikte aus der damaligen Zeit. Es gibt auch unzählige Literatur darüber. Es ist auf jeden Fall ein spannendes Thema. Die verwendeten Klangfetzen auf "Sperrstelle Nordost" stammen ebenfalls aus der damaligen Zeit (Bomben der Amerikaner auf Schaffhausen / Ansprache des damaligen Schweizer Landesvaters an die Bevölkerung / alte Rundfunkaufnahmen usw.)

blizzard: "Trauermarsch" ist der für mich atmosphärischste Track auf dem Werk. Wer hatte die Idee für den Videoclip dazu?

CZ: Du hast recht, "Trauermarsch" (das letzte Lied der Scheibe) hebt sich vom Rest des Albums etwas ab. Es ist definitiv das atmosphärischste Lied des Albums. Es hat einen psychedelischen Anhauch. Idee, Entwurf, Konzeption, Schnitt, Aufnahmen, Bearbeitung und die Fertigstellung des Bewegbildes (neudeutsch auch Videoclip genannt) stammen von mir selbst. Das Bewegbild wurde inmitten der Sperrstelle Nordost an einem Tag im Winter abgedreht. Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden. "Trauermarsch" handelt grob gesagt von Soldaten im Krieg, von ihren Ängsten, der Kälte und der Vergänglichkeit.

blizzard: Das Album erscheint ebenso in einer schwer limitierten Metall-Box. Wie schaut es denn da eigentlich mit deinem Mitspracherecht bei solchen Veröffentlichungen aus?

CZ: Ja, das Album ist in einer streng limitierten Metallkiste erschienen. In dieser befindet sich das Album selbst, Stacheldraht, Patronenhülsen, alte Schweizer Armeeabzeichen, Postkarten, ein exklusives Textil. Die Idee der Metallkiste (mit Inhalt) stammt komplett von mir. Ich habe bei der Gestaltung uneingeschränktes Mitspracherecht, beziehungsweise, bestimme das selber. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Steinklang. Von daher ist das absolut kein Problem. Steinklang ist 'berühmt' für Spezialveröffentlichungen und Spezialverpackungen und stets offen für neue Ideen. Ich bin sehr froh, bei Steinklang unter Vertrag zu sein.

blizzard: Manche martialische Acts verzichten bewusst auf Sprachdarbietungen. War es von Anfang an geplant, "Sperrstelle Nordost" diesbezüglich nicht nur auf Samples zu limitieren und wie wichtig ist Deiner Meinung nach eine lyrische Umsetzung überhaupt?

CZ: In der Vergangenheit hat es verschiedene ATOMTRAKT-Stücke ohne Sprachdarbietung gegeben. Auf "Sperrstelle Nordost" gibt es viel Gesang und andere Sprachfetzen, was dem Album gut tut und es sehr aufwertet. Die Texte drehen sich um Ängste, Tod, Verderben, Ungewissheit, Bedrohung, Kälte, Krieg, die Abscheu des Krieges. Die Texte stellen jedoch keine Kriegsverherrlichung dar. Es ist lediglich eine Aufarbeitung von Tatsachen. "Stunde 0" z.B. handelt von einem Nachkriegsszenario. Der Stunde der Zerstörung und des gleichzeitigen Neubeginns - also von der Schwelle der Vergangenheit zur Zukunft.

Was einst war, ist nicht mehr.
Was einst brannte, glüht nicht mehr.
Was kommen wird, ist tiefe Trauer.
Was werden wird, ist ungewiss.

"Trauermarsch" handelt grob gesagt von Soldaten im Krieg, von ihren Ängsten, der Kälte und der Vergänglichkeit. Zu diesem Lied wurde auch das Bewegbild gedreht. "Flug In Den Tod" handelt von Todesschwadronen, Bombern und den Angriff der Amerikaner auf Schaffhausen. Das Interesse an den lyrischen Themen der neuen Lieder war wie gesagt durch die "Sperrstelle Nordost" vorgegeben.

blizzard: Deine Vorwerke erschienen ja auf Mercenary Musik und mit "Sperrstelle Nordost" bist Du bei Steinklang gelandet. Gab es spezielle Gründe für den Wechsel?

CZ: Es gibt keine besonderen Gründe für den Wechsel. Das hängt wohl hauptsächlich damit zusammen, dass ich mit ALL meinen unzähligen Projekten bei Steinklang bin. Es hat jedoch auch ein wenig damit zu tun, dass Mercenary hauptsächlich in der Metalszene aktiv ist und Atomtrakt nichts mit Metal zu tun hat. ATOMTRAKT ist noch immer recht unbekannt, würde ich sagen. Das Projekt habe ich im Jahre 2003 als Nebenprojekt gegründet. Seither sind jedoch viele Tonträger erschienen. Das 'Problem' bisher war, dass alle Tonträger in der 'falschen' Szene veröffentlicht wurden. ATOMTRAKT hat eigentlich nichts mit Metal am Hut, jedoch wurden alle Tonträger bisher über Firmen veröffentlicht, welche im Metalsektor aktiv sind. Seit letztem Jahr ist ATOMTRAKT eben bei Steinklang unter Vertrag. Dieser Umstand wird vermutlich dazu beitragen, dass ATOMTRAKT auch in anderen Szenen besser bekannt wird. Ich weiß es jedoch nicht. Mir ist es nicht wichtig, möglichst bekannt zu sein. Die Qualität zählt. Es ist mir lieber, wenn die Musik lediglich von einer Handvoll Leuten gehört wird, diese jedoch die Musik schätzen und verstehen, anstatt ein kommerzielles Massenprodukt zu sein. Der ATOMTRAKT-Stil ist ohnehin nicht dafür gemacht, ein breites Publikum anzusprechen.

blizzard: Wie siehst Du eigentlich die Entwicklung von ATOMTRAKT, gemessen am Erstwerk und dem Aktuellen?

CZ: Das neue Album ist im Vergleich zu den Vorgängern weitaus abwechslungsreicher, bombastischer und noch düsterer / bedrohlicher und dichter im Gesamtklangbild, würde ich sagen. Auch die Klangqualität allgemein hat zugenommen, würde ich sagen. Die Arbeiten zum nächsten Album (wohl 2011) werden bald beginnen. Man wird sehen, in welche Richtung sich das entwickelt. ATOMTRAKT wird jedoch stets bombastisch, martialisch, düster, apokalyptisch, kalt und bedrohlich bleiben.

blizzard: Wenn Du jemanden überzeugen müsstest, "Sperrstelle Nordost" zu kaufen, was würdest Du sagen?

CZ: Wie Steinklang richtig erkannt hat, ist "Sperrstelle Nordost" wie folgt: "Ohne Übertreibung wird dieses Album neue Standards in der Apocalyptic / Martial Industrial Szene setzen: Worte wie bombastisch, martialisch, heldenhaft oder militant müssen wohl neu definiert werden. Die Atmosphäre, welche "Sperrstelle Nordost" versprüht, ist bedrohlich und kalt. Es führt den Hörer in Zeiten des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges und schlägt ein wie eine Atombombe. Kalte, heroische und atmosphärische Klangteppiche sind gepaart mit bombastischem Schlagwerk und militärischen Kriegsrhythmen".

blizzard: ATOMTRAKT existiert nun schon seit mehreren Jahren. Da gibt es doch sicherlich nicht nur positive Dinge zu berichten, oder?

CZ: Ja, ATOMTRAKT existiert mehr oder weniger seit nunmehr 7 - 8 Jahren. ATOMTRAKT ist lediglich ein Nebenprojekt von mir, welchem ich ab und an in Form eines Albums neues Leben einhauche. Negative Dinge fallen mir im Moment nicht ein.

blizzard: Vielen Dank für dieses Interview. Möchtest Du noch etwas sagen?

CZ: Danke für das Zwiegespräch.

Artikelbild Copyright: Steinklang Industries

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben