ARGHEID – Interview

"Gottloses Unterfangen" lautet der erste Paukenschlag des deutschen Projektes ARGHEID, welches eine gelungene Mischung aus martialischen und neoklassischen Elementen darbietet. Da mich der Tonträger vollstens überzeugen konnte, sah ich es als eine Art Pflicht an, mit dem kreativen Kopf dahinter Kontakt aufzunehmen. Es gab einige Fragen und interessante Antworten sind das Resultat. Wer mag der folge mir.

blizzard: Hallo Mathias! Bitte erläutere doch zuerst einmal unseren Lesern, welche Bedeutung der Name ARGHEID innehat.

Mathias: Im Althochdeutschen bedeutet das Wort "argheidi" soviel wie Sündhaftigkeit, Bösartigkeit, Schlechtigkeit, Verworfenheit. Argheid ohne "i" am Schluss kommt aus dem Niederländischen und hat dieselbe Bedeutung.

blizzard: Gab es einen selbst gesetzten Schwerpunkt bei der Erschaffung von "Gottloses Unterfangen"?

Mathias: Ja, es gab 2 Schwerpunkte. Die Schwerpunkte lagen zum einem in den Kompositionen und zum anderen in deren Abwechslungsreichtum. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, ein melodisches und dennoch düsteres Album zu schaffen. Auf elektronische Elemente sollte weitestgehend verzichtet und durch Orchesterinstrumente ersetzt werden. Viele Alben im Ambient oder Black/Death Metal Bereich sind oft eintönig. Lied 1 hört sich an wie Lied 10 und die Stücke dazwischen genauso. Wenn man sich die CD dann 100 mal angehört hat, erkennt man langsam Unterschiede. Das wollte ich vermeiden.

blizzard: Wann kam dir der Gedanke, "Wir Rufen Deine Wölfe" von Friedrich Hilscher musikalisch umzusetzen?

Mathias: Vor einiger Zeit kam mir das Stück von Turbund Sturmwerk zu Ohren und ich war davon sehr angetan. Auch wenn es schon eine "Various - Wir Rufen Deine Wölfe" CD gab, wollte ich dieses Gedicht auf meine Art vertonen.

blizzard: Sammelst du zuerst, bis du genug entsprechendes Material zusammen hast, oder entstehen die Songs spontan und in kürzerer Zeit?

Mathias: Ich setze mich selbst nicht unter Druck. Das heißt, daß ich mich nur an mein Homestudio setze, wenn ich eine gute Idee und auch die entsprechende Zeit dafür habe, diese umzusetzen. Durch mein Berufsleben ist die Freizeit sehr begrenzt, somit zieht es sich sehr lange hin, bis ein Album entstanden ist. Es ist also schon so, daß ich das Material über einen langen Zeitraum sammle, aber nur, weil ich keine andere Wahl habe. Manchmal habe ich komplette Songs im Kopf, doch leider keine Zeit, diese "in den Kasten" zu bringen. Das Album "Gottloses Unterfangen" war wieder eine Weiterentwicklung für mich. Man lernt den sicheren Umgang mit der Recordingsoftware und kann somit seine Ideen schneller verwirklichen. Diese Tatsache lässt mich hoffen, daß ich für das nächste Album nicht wieder 3 Jahre brauche.

blizzard: Dein Werk hat einen starken Bezug zur Neoklassik. Gibt es diesbezüglich bestimmte Künstler, die da einen Einfluss ausgeübt haben?

Mathias: Ja. Ohne Inspiration geht bei mir gar nichts! Komponisten wie Richard Wagner, oder Künstler wie Triarii, Wappenbund, Arditi, Puissance, Rome oder Goethes Erben haben einen großen Einfluss ausgeübt. Aber auch viele Bands im Black Metal Bereich haben dazu beigetragen, eine gewisse "Dunkelheit" einzuhauchen. Selbst der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer hat mich für mein Projekt inspiriert.

blizzard: Du warst zuvor mit Bunkertor 1 aktiv. Kann man dieses Projekt als Vorstufe von ARGHEID betrachten oder existiert jenes noch?

Mathias: Mit dem Album "Todeskampf" habe ich das Kapitel Bunkertor 1 abgeschlossen. Dieses Projekt hat mir dabei geholfen, mich musikalisch weiterzuentwickeln und man kann es deshalb als Vorstufe von Argheid betrachten.

blizzard: Wenn man den Text zu "Hexenbrand" liest, kommt die Frage auf, in welchem Bezug ARGHEID zu Kirche und Verfolgungswahn steht.

Mathias: Ersteinmal vorweg: Der Song "Hexenbrand" thematisiert die Hexenverbrennung an sich. Frauen wurden von ihren Nächsten als Hexen, die "Schadzauber" betreiben, denunziert und hingerichtet. Auch ohne Einwirken der Kirche wurde dies lange vor dem 15. und 17. Jahrhundert, dem Höhepunkt der Hexenverfolgung, praktiziert. Wenn Hungersnöte durch ausfallene Ernten oder Krankheiten hereinbrachen, wurden diese Ereignisse der schwarzen Magie zugeschrieben. Der Glaube an Zauberei und Magie war schon seit Menschengedenken in den Völkern verwurzelt. Die Kirche und deren Geistliche entfachten ab dem 15. Jahrhundert den eigentlichen Verfolgungswahn, den es vorher so nicht gab. Der im 15. Jahrhundert erschienene "Hexenhammer" (Malleus Maleficarum) wurde von Heinrich Kramer, einem Anhänger des Dominikanerordens verfasst. Der Papst Innozenz VIII. segnete dieses Werk ab, und legimitierte somit die Hexenverfolgung. Er ermächtigte die Inquisitoren Heinrich Institoris und Jacob Sprenger gegen die Zauberer und Hexen gerichtlich vorzugehen. Auch Martin Luther befürwortete die Hexenverfolgung und verwies auf Stellen in der Bibel wie z.B. "Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. 2.Mose 22,17". Es sei die Aufgabe eines jeden Christen, die Hexenverfolgung zu unterstützen,- so Luther. Argheid und somit auch ich, sind gegenüber der Institution Kirche in keiner Weise positiv eingestellt. Ich selbst bin katholisch getauft worden, ging in den katholischen Kindergarten und verbrachte meine Nachmittage in deren Nachmittagsbetreuung, konnte mich allerdigs nie mit Jesus und der christlichen Lehre identifizieren. Wenn ich mir, wie sehr oft, Gedanken über die Existenz mache, denke ich darüber nach, welcher Sinn dahinter steckt. Mit der Existenz meine ich aber nicht nur mich und die Menschheit, das gesamte Universum und die Enstehungsfrage bewegen mich. Niemand auf irdischer Ebene kann das berechnen oder erklären. Gab es einen Urknall oder nicht? Leben wir in einem Universum das sich ausdehnt und wieder schrumpft, das immer wiederkehrt? Wenn es vor dem Urknall, vorrausgesetzt es gab ihn, eine Singularität gegeben hat, was war davor? Gab es ein davor? Auf diese Fragen kann niemand gesicherte Auskunft geben! Daher finde ich es nicht verwerflich, an eine höhere Macht zu glauben. Ich bin aber der Meinung, daß man für den Glauben an Gott, oder an eine höhere Macht, die man mit Gott gleichsetzen kann, kein Machtorgan wie die Kirche braucht. Ein Vertreter Gottes auf Erden hat meines Erachtens ein recht anmaßendes Amt. Ich möchte den Hörern meiner Musik aber nicht das Denken abnehmen oder auf irgendeiner Weise eine Meinung aufzwängen. Letztendlich sollte jeder seine eigenen Interpretationen für meine Stücke finden.

blizzard: Wie denkst du darüber, wenn man behauptet, dass es eine Verbindung zwischen dem Schaffensvorgang und dem Aufnahmeort gibt?

Mathias: Ich denke schon, daß da was dran ist. Meine Gedanken kann ich überall sammeln, doch die Umgebung prägt mit Sicherheit. Gerne würde ich mir eine Auszeit vom Alltag gönnen und für ein paar Monate abgeschnitten von jeglicher Zivilisation in einer einsamen Hütte an einem Album basteln. Wenn man der Realität ins Auge sieht, stellt man sehr schnell fest, daß es nicht möglich ist. Ich habe für meine Familie zu sorgen und das mache ich auch.

blizzard: Viele Musiker identifizieren sich durch ihre Musik. Wie sieht es da bei dir aus?

Mathias: Ohne Zweifel identifiziere ich mich mit meiner Musik. Was ich zum Ausdruck bringen möchte, vertone ich. Mit dem Schaffen meiner Musik flüchte ich jedoch in eine andere Welt, fernab vom Alltag des normalen Arbeiters und Familienvaters. Die Musik gibt mir die Möglichkeit, meine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen und hilft mir auch, diese zu verarbeiten.

blizzard: "Gottloses Unterfangen" soll auch als Box erscheinen. Kannst du uns etwas Genaueres darüber berichten?

Mathias: Harry von SkullLine und ich waren der Meinung, daß man auch den Sammlern unter uns etwas Exquisites anbieten sollte. Es sind insgesamt 3 Versionen erschienen und bereits erhältlich: Die normale Album CD auf 400 Exemplare limitiert, die 2CD Version mit einer Remix CD und Sticker auf 70 limitiert, Holzbox mit Album, Remix CD, T- Shirt, Sticker und Postkarte auf 30 limitiert. Auf der Remix CD haben 5 Künstler, die in der Szene nicht unbekannt sind, an meinen Songs "gebastelt". Von mir kann man auf der Scheibe einen Remix von "Feuerreigen" und meine allererste Aufnahme seit Gründung von Argheid, "Welkes Laub", hören.

blizzard: Was die weitere Entwicklung von ARGHEID betrifft, kannst du dir vorstellen z.B. noch verstärkter Tribal-Elemente einzubringen, so wie in dem fantastischen "Ritus"?

Mathias: Der Titel "Ritus" ist auch einer meiner Favoriten auf dem Album. Mit Sicherheit wird man ähnliche Passagen in kommenden Songs von mir entdecken. Eine Entwicklung kann man jedoch schlecht vorhersehen, denn man weiß nicht, welche Einflüsse noch hinzukommen. Ich möchte den Lesern aber nicht vorenthalten, daß ich schon länger mit dem Gedanken spiele, Black Metal Einflüsse einzubringen. Es existieren bereits einige Probeaufnahmen, die aber noch ausbaufähig sind. Man könnte noch viel spekulieren, aber überlassen wir das der New Yorker Börse.

blizzard: Vielen Dank für dieses Interview. Möchtest Du noch ein paar Worte an unsere Leser loswerden?

Mathias: Gern geschehen! Wer über Argheid immer aktuell informiert sein möchte, kann mich gerne auf argheid.de besuchen. Die Webseite befindet sich noch im Aufbau, wird aber in naher Zukunft mehr bieten.

Artikelbild Copyright: SkullLine

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