Yaga [Playstation 4]

Schwierigkeit: Einfach - Mittel; New Game Plus: Nein; Spielzeit: 7-10 Stunden (mehrere Durchläufe dank unterschiedlicher Enden möglich); Getestetes System: Playstation 4; Spielerzahl: 1

Im Videospiel “Yaga“, der rumänischen Entwickler von Breadcrumbs Interactive, begleiten wir den arg vom Pech gebeutelten, einarmigen Schmied Ivan auf seiner Reise durch die slavische Sagenwelt, um neben grenzenloser Macht und ewiger Jugend auch noch die passende Frau (natürlich die schwierigste dieser Aufgaben ^^) zu finden. Wie sich die von uns getestete Playstation 4-Fassung im Test so schlägt und welchen interessanten Personen, Kreaturen und Kuriositäten wir auf unserer Queste so alles begegnet sind, erfahrt ihr in folgenden Zeilen:

Szenario

Der Schmied Ivan ist nicht gerade zu beneiden: Als wäre der Verlust seines rechten Armes, durch das furchtbare Ungeheuer Likho, nicht schon genug, so wird unser tapferer Metallverarbeiter auch weiterhin noch von allerlei Pech heimgesucht. Da ihm der örtliche Zar mit dem Tode droht, sollte er es nicht schaffen für ihn allerlei unlösbar scheinende Aufgaben zu erledigen, bleibt Ivan nichts anderes übrig als sein Heimatdorf zu verlassen. In der lebensfeindlichen Außenwelt begegnet Ivan allerlei Fremden, darunter auch das ein oder andere mythische Lebewesen aus der heimischen Folklore, wobei es uns als Spieler obliegt, wie wir mit diesen schicksalsbeeinflussenden Begegnungen umgehen. Wenn wir durch unsere Entscheidungen allerdings zu viel Unglück ansammeln, ziehen wir den Zorn von Likho auf uns und wir wissen alle, wie diese Begegnung beim ersten Aufeinandertreffen ausgegangen ist… Allerdings ist Ivan auf seiner beschwerlichen Queste nicht allein und erhält sowohl von den Dorfbewohnern, von denen er auch die ein oder andere Quest annehmen kann, als auch von der legendären Hexe Baba Yaga, wertvolle Hilfe. Ob diese aber wirklich so uneigennützig handelt, wie es zunächst scheint, darf aber getrost bezweifelt werden…

Die berühmt-berüchtigte Baba Yaga, in ihrer hühnerbeinigen Hütte, steht unserem tapferen Ivan mit Rat und Tat zur Seite.

Einarmig durch die slavische Sagenwelt

“Yaga“ ist ein recht kurzes Rollenspiel in isometrischer Ansicht (Vogelperspektive), in welchem wir in die Rolle des sympathischen, je nach unseren Spielerentscheidung zudem eher naiven, habgierigen, fürsorglichen oder auch cholerischen, Schmiedes Ivan schlüpfen. Dieser wird vom Zaren auf eine Quest geschickt, um für diesen allerlei wahnwitzige Aufgaben zu erledigen, was unser Ivan nicht abschlagen, kann, da er ansonsten seinen Kopf verlieren würde. Apropos verlorene Körperteile: Ivan, der nicht gerade vom Glück begleitet wird, verlor in der Vergangenheit bereits einen seiner starken Arme, den er opferte, um einem menschenfressenden Monster zu entkommen, der opportunistisch veranlagte Ivan nutz diesen ungünstigen Umstand allerdings klug und stattet seinen Armstumpf mit allerlei nutzbringender Prothesen, wie etwa einem Wagenrad als Schild oder einer Sichel zur Entfernung von Hindernissen, aus, von denen man im Spielverlauf noch weitere findet und damit auch mehr Möglichkeiten im Kampf und bei der Interaktion mit der Umgebung bekommt.

Als waschechter Schmied können wir sowohl diese Armaufsätze, als auch den im Kampf als Nahkampfwaffe und wiederkehrendes Wurfgeschoss verwendeten Schmiedehammer, an jedem Amboss, mit Hilfe gefundener Erze und sonstiger, oftmals sehr kurioser Gegenstände, je nach eigenem Gusto, aufwerten, wodurch diese sich je nach gewünschtem Spielstil anpassen lassen. So können wir unserem Hammer beispielsweise eine höhere Wurfreichweite verleihen, unser Schild so verändern, dass Feinde bei Berührung fliehen oder unser Wurfhaken Feinden bei Treffern glänzende Kopeks (eine von zwei Währungen im Spiel. Kopeks, also Münzgeld, ist bei Menschenhändlern gern gesehen, Hexen und andere übernatürlich Wesen tauschen viel lieber Körperteile untereinander aus ^^) entzieht, die Möglichkeiten sind hier sehr umfangreich.

Von technischer Seite gibt es bei "Yaga" nicht viel zu bemängeln, in unserem Test ist uns lediglich bei einer Nebenquest ein nerviger Bug aufgefallen, der allerdings auch bald ausgemerzt werden soll. Die Performance bleibt generell stabil, lediglich in Kämpfen mit vielen Gegnern kommt es zu leichten Rucklern.

Moralischer Schmied

In "Yaga" habt ihr stets mehrere Auswahlmöglichkeiten, wie ihr im Kontakt mit anderen Personen/Kreaturen zu reagiert. Entscheidungen führen zum Ansteigen der Unglücks-Anzeige, wenn diese entgegen eurer Moral handeln, also wenn ihr z.B. zuvor eher heimtückisch wart und dann eine uneigennützige Entscheidung trefft, werdet ihr mit Unglück gestraft. Auf diese Weise beeinflusst ihr sogar das Spielende von “Yaga“. Entsprechende Werte im Charaktermenü und Anzeigen bei den Questentscheidungen helfen euch hier die Übersicht zu behalten.

Wenn ihr durch das Anhäufen ungünstiger Entscheidungen oder magischen Segnungen (Buffs haben leider oft zur Folge, das eure Unglücks-Anzeige steigt) zu viel Pech anhäuft, begegnet euch die fürchterliche Likho und raubt euch geschmiedete Gegenstände und so manches wertvolle Kleinod, weshalb ihr hier besonders vorsichtig vorgehen solltet. Allerdings steigt der Unglücks-Spiegel manchmal so derart schnell an, dass man oft einfach keine Chance hat diese unglücklichen Begegnungen abzuwenden, was schnell zu Frust führt. Zum Glück findet man in der Spielwelt von “Yaga“, die aus zahlreichen, nach erstmaligem Besuch nicht mehr aufsuchbaren, zufallsgenerierten Gebieten, mit festen Events besteht, immer wieder neue, sinnvolle Items, so dass man verlorene Waffen und Schätze zumindest recht schnell wieder ausgleichen kann.

Im Laufe des Spiels reist ihr durch mehrere malerische Umgebungen, die bei genauerem Hinblick aber leider kaum mehr als aneinandergereihte Schläuche darstellen.

Im Spielverlauf führt ihr Ivan durch mehrere kurze Levels, einige davon sind optional und eröffnen sich euch nur, wenn ihr die entsprechende Nebenquest annehmt. Alle paar Meter werdet ihr dann in einen Kampf verwickelt, wobei ihr erst nach dem Besiegen der Gegner, mit Hilfe eures Hammers und dem ein oder anderen hilfreichen Item, euren Weg fortsetzen könnt. Die Levels sind zwar optisch abwechslungsreich gestaltet, vom Prinzip aber immer sehr ähnlich aufgebaut und bestehen abwechselnd aus kurzen Kämpfen, Zwischenbegegnungen, bei denen ihr Entscheidungen trefft, mit denen ihr Questverlauf, die Unglücksanzeige und Ivans Moral-Werte (Aggressiv, Naiv, Gierig und Fürsorglich) beeinflusst, sowie hin und wieder auch einem Bossgegner. Leider wird das Spiel (trotz kurzer Gesamtspieldauer) so recht schnell ziemlich repetitiv, allerdings besitzt “Yaga“ auch interessante Stärken, auf die wir nun eingehen werden:

Grafik

Neben dem ungewöhnlichen Sound, auf den wir im Folgeabschnitt eingehen werden, ist “Yagas“ große Stärke die Grafik bzw. der tolle Artstyle, einer bunten, handgezeichneten 2-D-Welt, mitsamt zahlreicher, wunderbar designter Charaktere und mythologischer Wesen aus der slavischen Mythologie (diese wird z.B. auch in den großartigen “The Witcher“-Spielen, sowie natürlich auch deren Buchvorlagen, verwendet), die “Yaga“ hier sehr schön inszenieren kann. Ich würde mir hier sofort ein passendes Artbook zulegen! Diese toll inszenierten (und auch vertonten) Figuren begleiten euch durchs gesamte Spiel und werden immer wieder durch Neuzugänge, egal ob es sich um herrlich schräge Charaktere oder finstere Gegner (wobei ihr meist selbst, anhand eurer Taten, entscheidet, wen ihr euch zum Freund oder Feind macht) handelt, erweitert. Optisch ist “Yaga“ ein wirklicher Augenschmaus!

Schräge Charaktere, wie dieser mit merkwürdigen, improvisierten Prothesen bestückte Riese, bereichern “Yaga“ ungemein.

Sound

Soundtrack und Sprachausgabe in “Yaga“ sind etwas wirklich Besonderes und tragen enorm zum Spielgefühl bei. Der Soundtrack besteht dabei aus einigen Stücken der rumänischen Folk-Rock Band Subcarpați, die hier eine absolut einmalige, musikalische Untermalung herbeizaubern. Ein echtes Highlight sind auch die Vertonungen der Figuren mit stimmigen Synchronsprechern, die selbst der merkwürdigsten Kreatur Leben einhauchen können. Dass beinahe sämtliche Dialoge des Spiels auch noch in Reimform geschrieben wurden, ist da noch das atmosphärische i-Tüpfelchen. Die Sprachausgabe in “Yaga“ ist auf Englisch, auch sämtliche Untertitel sind lediglich in Englisch verfügbar.

Trophys

Bei “Yaga“ gibt es in erster Linie Trophys, die mit den moralischen Entscheidungen im Spiel zusammenhängen, weshalb hier mehrere Spieldurchläufe notwendig sind, um alle abzustauben. Eine große Herausforderung sollte die Platin aber nicht darstellen.

Veröffentlichung

“Yaga“ erscheint für die Playstation 4, die Xbox One, für die Nintendo Switch, sowie für den PC. Leider erscheint das Spiel lediglich als Download-Version. Neben der Standardversion könnt ihr das Spiel auch als Bundle mit dem Soundtrack (dieser ist auch separat erwerbbar) kaufen.

Die Entwickler arbeiten nach Release an weiteren Geschichten aus dem “Yaga“-Universum, die das Spiel in bisher unbekannter Form (DLC oder Update) erweitern sollen. Bei entsprechendem Erfolg des Erstlings ist auch eine Fortsetzung durchaus im Bereich des Möglichen.

Fazit

“Yaga“ hat mich zunächst mit seinem tollen Artstyle und dem authentischen Soundtrack, die die slavische Sagenwelt, mit ihren einmaligen Bewohnern, auf ganz wundervolle Weise zum Leben erweckt, begeistert, das schnell eintönig werdende Leveldesgin und die monotonen Quests, die immer nach dem gleichen Schema abzulaufen scheinen, trüben das Spielerlebnis aber leider schnell, was aufgrund der kurzen Spieldauer gleich noch schwerer wiegt. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und von der tollen Präsentation angetan ist, sollte dennoch mehr als nur einen Blick in die Welt von "Yaga" wagen.

Positiv:

- Artstyle
- Sound
- herrlich schräge Charaktere und Figuren aus slavischer Mythologie

Negativ:

- nerviges Unglückssystem
- eintöniges Leveldesign
- Questaufbau sehr simpel
- leichte Ruckler bei großem Gegneraufkommen

Yaga - Available November 12 - Official Release Date Trailer

Entwickler: Breadcrumbs Interactive
Publisher: Versus Evil
Veröffentlichung: 12.11.2019
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Webseite: https://yaga-game.com
Webseite 2: https://www.facebook.com/YagaGame/
Webseite 3: https://subcarpati.com
Copyright Artikelbild: Breadcrumbs Interactive; Versus Evil
Copyright andere Bilder: Breadcrumbs Interactive; Versus Evil

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